Geschichte/History


                                 

Rado - Geschichte einer Marke     

Die Geschichte von Rado beginnt im Jahr 1917, dem 3. Jahr des ersten Weltkriegs, in dem kleinen Ort Lengnau im schweizer Kanton Bern, mit drei Brüdern, ihrem Elternhaus und der Geschäftsidee Ebauches, also Rohwerke für Uhrenfabriken herzustellen.

Doch lassen Sie uns zunächst einen Blick auf den historischen Hintergrund werfen: Alle bedeutenden Erfindungen in der Uhrmacherei wurden in Europa gemacht. Die industrielle Revolution in der Uhrmacherei allerdings begann in den USA. Aufgrund der hohen Nachfrage nach Qualitätsuhren begannen amerikanische Ingenieure und Uhrmacher um 1850 herum, die Produktion von Uhrwerken und Uhrteilen zu rationalisieren und zu maschinisieren - bis zu diesem Zeitpunkt wurden noch alle Teile mit der Hand hergestellt. 1852 wurde in Waltham(bei Boston, Massachusetts) die erste industrielle Uhrenfabrik gegründet und später auch nach dem Ort Waltham benannt - der Beginn der industriellen Produktion von Uhren und Uhrwerken.

                                                                                                         

                                                                                                                            ilder: Waltham, Fabrik und Produktion, ca. 1875

Mehr als 20 Jahre später, 1876, besuchten zwei Uhrmacher der schweizer Manufaktur Longines die Weltausstellung in Philadelphia sowie einige Uhrenfabriken in den USA - zurück kamen sie mit einem 60-seitigen Bericht voller technischer Details und Zeichnungen über den Ersatz menschlicher Arbeitskraft durch Maschinen. So kam die Industrialisierung der Uhrmacherei in die Schweiz.

Zurück nach Lengnau: Mitte des 19. Jahrhunderts lebten dort nahezu alle Einwohner von Ackerbau und Viehzucht. Ende des 19. Jahrhunderts etablierten sich die ersten Betriebe der schweizer Uhrenindustrie in den Nachbarorten Biel und Grenchen und mehr und mehr Lengnauer suchten sich dort Arbeit, um ihr schmales Einkommen aufzubessern. 1902 bekam Lengnau dann Elektrizität und so wurde auch dieser Ort interessant als Standort für die Uhrenindustrie. Die erste Uhrenfabrik wurde noch im gleichen Jahr eröffnet, gefolgt von der Uhrenfabrik Mairie Ernest 1906, der mechanischen Werkstatt von Franz Gygi 1908, der Uhrenfabrik Astor von Fritz Klein 1911 und Enicar 1914(durch Umzug). 1917 wurden die Uhrenfabriken Eloga-Uhren und Heloisa AG gegründet.

                                                

                                                           Bilder Schlup & Co. SA, Stammhaus Bielstraße Lengnau ca. 1917 und nach Umbau und Renovierung in 1992

Und die drei Brüder Fritz, Ernst und Werner Schlup eröffneten 1917 in ihrem Elternhaus in der Bielstraße 41 in Lengnau ihre Rohwerkefabrik. Vermutlich hatten sie das Uhrmacherhandwerk vorher in den nahegelegenen Fabriken in Lengnau, Biel oder Grenchen erlernt. Die Rechtsform der Firma(& Co. = Compagnon) legt die Vermutung nahe, dass sie Startkapital benötigten, um Werkzeug und Maschinen anzuschaffen und mit der Produktion zu beginnen. So bestand die Geschäftsidee wohl darin, die umliegenden Uhrenfabriken bzw. einen Teil davon mit Rohwerken zu beliefern, wahrscheinlich unsigniert oder signiert mit dem Namen des Kunden. Und möglicherweise war einer dieser Kunden der ersten Stunde der Compagnon.

                                          

                                          

                    Bilder: Art Deco-Taschenuhr "Shlup Watch", darunter: Uhrwerk Ø 39.8mm = 17.75''', signiert mit "21 Jewels 3 Adj(ustments)" und "Schlup W(atch) Co(mpany) Swiss",                                                                                                          ein sehr fein bearbeitetes Uhrwerk hoher Qualität mit Schwanenhals-Regulierung und Lagersteinen in Goldchatons, Uhr aus USA, 1920er

Es gibt nur extrem wenig Informationen über die Rohwerkefabrik Schlup & Co. AG, soweit mir bekannt ist, tauchen sie nirgends in den bekannten Firmen-, Uhrwerke- oder Ersatzteillisten auf. Es gibt nur ein einziges mir bekanntes Taschenuhrwerk, das mit "Schlup W. Co." signiert ist - das auf dem Bild oben. Wahrscheinlich haben sie weiter in den 1920ern, 1930ern "undercover" überwiegend unsignierte Uhrwerke an Uhrenhersteller geliefert, welche diese in eigene oder zugekaufte Gehäuse eingeschalt und die fertigen Uhren unter ihrem Namen verkauft haben. Eine der wenigen Informationen, die zu finden waren, besagt, dass sie mit ihren Uhrwerken überwiegend Uhrenfabriken und/oder Juweliere in Nordamerika belieferten, die diese einschalten. Darauf deuten sowohl das Taschenuhrwerk wie auch das zweite mir bekannte Schlup-signierte Uhrwerk hin, ein Damenuhrwerk aus einer Art Deco-Damenuhr der Marke Peggy - beide stammen aus den USA.

                                  

                                  Bilder: Art Deco-Damenuhr der Marke Peggy, Swiss: Uhrwerk ? x ? mm = ? x ?''', signiert mit "6 Jewels 2 Adjustments" und "Schlup & Co(mpagnon) Swiss",                                                                                                                              Uhrwerk höherer Qualität, Uhr aus USA, 1920er, Gehäuse signiert mit "LIBERTY W(atch)C(ase)CO(mpany), BESTWHITE-SERIES, ROLLED PLAT"

Zunächst war der Verkauf von Rohwerken nach Nordamerika war zu jener Zeit eine clevere Geschäftspolitik, wie ein Blick auf die historischen Hintergründe zeigt:  .....

                                                                                                     

                                                                                                                 Bild: Das neue Stammhaus 1948

                                                                

                                                                                                             Bilder: Das neue Headquarter 1975

 

... wird fortgesetzt

 

 

Quellen:

 

Internet:

> Rado Watches: Green Horses and Purple Gazelles, oh my! (by Bruce Shawkey)

> Trusted Watch/Schauplätze der Uhrengeschichte: Lengnau

> NZZ: Wie die Amerikaner den Schweizern das Uhrmachen beibrachten

> Glashütte Uhrenlexikon

> Handelsregister des Kantons Bern

Bücher:

Baumann, Frédéric: Allgemeine Schweizerische Uhrenindustrie AG ASUAG Darstellung ihrer Gründung und ihrer Entwicklung während 25 Jahren 1931 - 1956, Verlag: ASUAG, Druck:   Graphische Anstalt Schüler AG  Biel

Zeitschriften:

Artikel "Uhren von Rado" in: Chronos, Magazin für Uhren, Innovation, Technik, Nr. 5/1993

Artikel "Rado: Design und Technik" in: Uhren Magazin, Die Zeitschrift für den Uhrenliebhaber, Nr. 4/1994

 

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